Innovatives Tuttlinger Videounterricht-Modell

10.12.2020, 17:21 Uhr
Guido Wolf MdL und Oberbürgermeister Michael Beck beim OHG Tuttlingen.
Guido Wolf MdL und Oberbürgermeister Michael Beck beim OHG Tuttlingen.

 

Bei einem Besuch des Otto-Hahn-Gymnasiums in Tuttlingen konnte ich mir das Videounterrichtsmodell der Tuttlinger Gymnasien live ansehen. Ich kann mir gut vorstellen, dass dieses Modell auch für andere Schulen im Land beispielgebend sein könnte, denn trotz Wechselunterricht können hierbei alle Schülerinnen und Schüler nach Stundenplan lernen. Dank Videotechnik ist das hier möglich, auch wenn die Hälfte der Schüler nicht persönlich anwesend ist. Das Otto-Hahn-Gymnasium zum Beispiel hat dafür zehn Räume so mit Kameras, Beamern und Laptops ausgerüstet, dass die Hälfte der Klasse sich per Videokonferenz zuschalten kann und auf die Rückwand des Klassenzimmers projiziert wird. Der Lehrer hat dann zumindest optisch die ganze Klasse vor sich – auch wenn die Hälfte zu Hause ist und den Lehrer und das Tafelbild nur am Laptop sieht. Eine andere Variante: Falls der Lehrer in Quarantäne muss, kann er von zu Hause aus unterrichten – und die Klasse verfolgt ihn über Bildschirm oder Leinwand. Ein ähnliches Modell wird auch am Immanuel-Kant-Gymnasium angewandt. Damit ist der größte Nachteil aufgehoben, der sonst mit dem Wechselunterricht einhergeht – nämlich die Tatsache, dass die Hälfte der Schülerinnen und Schüler nicht direkt mitbekommt, was gerade in der Schule läuft und sich mit Arbeitsblättern und anderen Hilfsmitteln begnügen muss. Das, was die Tuttlinger Gymnasien heute anbieten, ist nicht mehr mit der Art von Wechselunterricht vergleichbar, der noch beim ersten Lockdown im Frühjahr improvisiert wurde.

Mir ist klar, dass zum Erfolg mehrere Faktoren gehören: Zum einen ein Kollegium, das offen für Neues ist und Engagement an den Tag legt. Am OHG zum Beispiel griffen Lehrer am Wochenende zum Schraubenzieher, um Beamer und Kameras zu montieren. Zum anderen ein Schulträger, der für den finanziellen Rahmen sorgt. So ließ sich die Stadt Tuttlingen allein die Ausstattung des OHG rund 17.000 Euro kosten. 
Oberbürgermeister Michael Beck machte deutlich, dass es trotz der Kosten kein exklusives Modell für die Gymnasien bleiben soll und es nicht am Geld scheitern werde.

Vielen Dank für den Einblick in den digitalen Unterricht, die innovativen Ideen und die tolle Umsetzung!